...Ich möchte aufzeigen, dass es nicht nur nicht zu spät ist, sonder im Gegenteil Musizieren einem kognitiven Abbau entgegen wirkt. Musizieren ist eine der anspruchsvollsten Leistungen des menschlichen Zentralnerven- systems. Die koordinierte Aktivierung zahlreicher Muskelgruppen muss mit höchster Präzision und häufig mit sehr hoher Geschwindigkeit geschehen. Dabei unterliegen die Bewegungen einer ständigen Kontrolle durch das Gehör, den Gesichtssinn und die Körpereigenwahrnehmung. Die an die Muskulatur vermittelte Kraftdosierung muss bis in die kleinste Nuance genau berechnet werden....
Voraussetzung für die geordnete und fehlerarme Bewältigung derartig vielschichtiger Informationsverarbeitungsprozesse ist ein Lernvorgang, das Üben. Durch Üben werden die sensomotorischen, auditiven und die visuellen integrativen Fertigkeiten erworben, die für die Beherrschung eines Instruments oder für das Singen notwendig sind. Gleichzeitig werden Gedächtnissysteme angelegt, strukturell analytische Kenntnisse zur Erfassung eines Musik-stücks oder eines Notentextes erlernt und expressives, emotionales Musizieren geübt....
1.Neuronen und ihre neuronalen Verbindungen verkümmern mit zunehmendem Alter und führen zu Funktionseinbußen.
2. Diese Veränderungen betreffen Wahrnehmung, Gedächtnis, motorische Kontrolle und Affekte. Die Folgen sind nachlassende Wahrnehmungsgenauigkeit, verlangsamte Reaktions- geschwindigkeit, geringere motorische Geschicklichkeit und nachlassende Freude und Motivation....
Hier kann das aktive Musizieren beitragen, Wahrnehmung, Denken, motorische Fertigkeiten
zu üben und positive Emotionen zu erzeugen. Auf diese Weise können neuronale Abbauvorgänge verlangsamt und sogar wieder rückgängig gemacht werden....
Wichtig ist allerdings, dass man nicht einem einseitigen Leistungsdenken verfällt. Überzogene Selbstansprüche, zu hohe Erwartungen an das Lerntempo, zu großer Ehrgeiz können rasch zu Entmutigung, zu Frustration und dann zu Depression führen – und letztere geht wieder mit einem Abbau von neuronaler Substanz einher....
Die Konsequenz daraus ist, dass es nicht nur nie zu spät ist, sondern dass das Erlernen eines Instrumentes und das Singen auch in höherem Erwachsenenalter sich günstig auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt!
aus der Gmünder Tagespost vom 9.2.2010:
Singen in Senioren- und Pflegeheimen, dafür bietet der Schwäbische Chorverband jetzt ein Seminar in der Region. Mit diesem Seminar bietet der Chorverband Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen – allen, die bereit sind, mit Senioren zu singen – ein eintägiges Seminar.
Schwäbisch Gmünd. Singen in der Gemeinschaft ist eine wertvolle Hilfe bei der Betreuung der Menschen in Senioren- und Pflegeheimen. Es unterstützt die physische und psychische Fürsorge, denn Singen regt das Erinnerungsvermögen an, trainiert die Konzentration, verbessert die Atmung und damit die Gesundheit und fördert das seelische Wohlbefinden. Musik und Bewegung sind Medien, mit denen man an Demenz- und Parkinsonkranke herankommt, wenn nichts von einst Erlerntem mehr abrufbar erscheint. „Darum gibt es für diese Mitmenschen kein besseres Rezept als regelmäßiges Singen“, so der Schwäbische Chorverband. Nur dadurch sei es den Pflegekräften oft noch möglich, Alzheimerpatienten kurzzeitig zu Äußerungen zu veranlassen. Aus dieser Erkenntnis heraus und weil er eine soziale Verpflichtung hat, hat der Schwäbische Chorverband begonnen, sich aktiv in die Seniorenarbeit einzubringen. So wurde ein Ganztagesseminar für Singgruppenleiter in Senioren- und Pflegeheimen entwickelt. Diese Schulung richtet sich an hauptamtliche Mitarbeiter solcher Einrichtungen ebenso, wie an Menschen, die bereit sind in ihrer Freizeit durch die Leitung von Singgruppen alten Mitbürgern mehr Lebensfreude zu vermitteln.